Good Food March bis 19.September 2012

Die Österreichetappe ist vorbei, der Good Food March geht weiter!

  1. Ihr könnt die Tour weiterhin mitverfolgen: Hier gehts zum europaweiten Tourtagebuch!
  2. Am 19. September 2012 gibt es neben der Konferenz in Brüssel auch eine Veranstaltung in Wien 
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25.8. München

Nach einer erholsamen Nacht ohne Gewitter und Tiergeräusche trafen wir zur Mittagszeit kurz vor Beginn der Veranstaltung “Teller statt Tonne“ am Münchner Odeonsplatz ein. Kaum standen wir mit unseren Fahrädern am schon gut gefüllten Platz, kamen auch schon die ersten Leute auf uns zu: „He, ihr seids ja die aus Österreich!“, “Dein Gesicht kenn ich schon vom Internet!“ “Wir haben euren Blog mitgelesen!“ Also ganz, ehrlich, damit haben wir nicht gerechnet…

Ja und dann gings auch schon los: Neben der Hauptbühne und den zahlreichen Infoständen hatte die Volksküche „Fläming Kitchen“ für alle BesucherInnen ein leckeres Mittagessen gekocht, und das hauptsächlich aus weggeworfenen Lebensmitteln (Also nicht solche die schon schlecht waren, sondern Produkte die aus anderen Gründen aussortiert wurden: Verpackungsfehler, irgendeine Norm nicht eingehalten, usw. ) Bei so viel Engagement wollten wir nicht nur rumstehen, und bauten kurzerhand auch unseren Infostand auf. Zum Schluss übergaben wir eine Sammlung von Postkarten mit Forderungen und Wünschen vieler Menschen zur Zukunft der europäischen Landwirtschaft. Ein bisschen wie beim Staffellauf 😉

Um 15 Uhr fiel der Startschuss für die Deutschland Etappe, wir radelten noch eine Weile mit, der Großteil der Gruppe aus Österreich verließ aber dann den Radzug. Leider können wir aus Zeitgründen nicht länger mitfahren, zur Konferenz in Brüssel am 19. September kommen wir aber dann wieder!

Wir möchten uns herzlich bei den Menschen in München für den netten Empfang bedanken, vor allem aber auch bei allen Menschen, die uns während unserer Reise durch Österreich und Deutschland mit soviel Gastfreundschaft und die Hilfsbereitschaft begenet sind.

Dazu noch eine passende Anekdote vom heutigen Tag:

Der Good Food March durch München geht gerade los. Ein österreichischer Teilnehmer des steht mit seinem Rad am Rand des Fahrradzugs und fotografiert diesen. Am Rad sind einige Infozettel befestigt. Ein älterer Herr in bayrischer Tracht geht auf den Radfahrer zu.

Bayer: Flugblatt!
Radler: Wos?
Bayer: Flugblatt!!!
Radler: Bitte wos woin Sie?
Bayer: So ein Flugblatt soins ma geben! Her damit!
Radler: Aso, jo freilich, gern, do san oba nur de Termine von Österreich drauf, wei i kum aus Österreich, in bin jo scho a Wochn unterwegs, wir san von Linz heagfoan…
Bayer (klopft dem Radfahrer freundschaftlich auf die Schulter) : Des mocht nix, auch Österreicher sind Menschen!

In diesem Sinne, schauen wir, dass möglichst viele Menschen aus ganz Europa für eine zukunftsfähige und nachhaltige Landwirtschaft eintreten!

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24.8. Dorfen – München

Wieder mal starke Regenfälle und Wind in der Nacht, aber diesmal waren wir schlauer und haben unsere Zelte gleich im Stadl aufgebaut. Die Einladung zum Frühstück nahmen wir auch gerne an, es gab frischgemachte Milchprodukte aus der Hofkäserei, vielen Dank Georg! Nach einer kurzen Besichtigung der benachbarten Biogemüsetunnel brachen wir auf zur letzten Radltour nach München.

Am Weg nach dorthin besuchten wir noch den Bauernmarkt in Dorfen, die Mittagspause verbrachten wir in der Nähe von Erding in einem Wirtshaus,  wo wir mir den Stammgästen über Atomstrom, und alternaive Energiegewinnung diskutierten. Fazit: Wir müssen unseren Energieverbrauch reduzieren, sonst konnten wir uns auf nichts einigen 😉

Am Abend kamen wir in München an, ein komisches Gefühl. Das hat jetzt nichts mit München im Speziellen zu tun, aber versetzt euch mal in unsere Situation: Unsere Tour führte uns ein Woche lang über Radwege durch ländliche Gegenden, unsere Zwischenstationen waren meist alleinstehende Bauernhöfe, wir haben im Freien oder in Zelten geschlafen, haben selbstgemachtes Bauernbrot gegessen und frisch gemolkene Milch getrunken, rund um uns viele Tiere und nicht viele Menschen – und auf einmal sind wir mitten in der Großstadt! Gibts den hier keine Kühe?

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23.8. Burghausen – St.Wolfgang (Bayern)

Die erste Nacht in Bayern brachte uns starken Regenfälle und Gewitter, worauf manche von uns in die Scheune flüchteten, dummerweise wieder direkt neben dem Hühnerstall.  Drei Hähne wurden daraufhin in den frühen Morgenstunden eigenhändig erwürgt (allerdings nur im Traum eines Teilnehmers 😉

Ansonsten gibt’s aber nur Positives zu berichten. Wir hatten sogar das große Glück, das genau in dieser Nacht acht Ferkel auf die Welt kamen, und das alles ohne menschlichen Eingriff. Habt ihr gewusst, dass die Ferkel auch ganz ohne Kastenstand nicht von der Muttersau erdrückt werden, wenn man eine Rasse wählt, wo die Mutterinstinkte nicht schon weggezüchtet wurden? Die Biobäuerin  meinte jedenfalls, sie habe nie Probleme mit erdrückten Ferkeln, und dass obwohl die Ferkel einfach neben der Muttersau im Stroh liegen.

Kurz vor unserer Abreise übergaben uns die BiobäuerInnen noch eine Sammlung von Postkarten. Die Organisation „Meine Landwirtschaft“ hatte schon vor einige Zeit KonsumentInnen dazu aufgerufen, ihre Vorstellungen von Landwirtschaft auf diesen Postkarten zu formulieren. Die Aktion gleicht also der Good Food March Foto Aktion, und wir nehmen die gesammelten Postkarten jetzt mit bis nach Brüssel.

Die Gerüchte über unfreundliche Dörfer in Bayern  können wir nicht bestätigen, wir verbrachten z.B. unsere Mittagspause in einem Gasthaus, dass eigentlich gerade Mittagspause hatte. Wir wurden trotzdem mit Getränken versorgt, durften im Gastgarten picknicken und erhielten obendrauf auch noch einen „RadlfahrerInnenfreundschaftspreis“ (Der Sohn des Restaurantbesitzer tut nämlich auch gerne Radl fahren, und dass reicht dann auch schon für verbilligte Preise;)

Die Nacht verbringen wir in St.Wolfgang bei Biobauer Georg Hattinger. Neben Biogemüse, gibts Milchkühe und eine eigene Käserei zu sehen, ein echt vorbildlicher Biobauernhof.

Morgen geht’s nach München!

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22.8. Braunau – Burgkirchen (Bayern)

“Auf nach Bayern“, hieß es heute, wobei zwei besonders motivierte Teilnehmer schon um halb sieben in der Früh in Braunau über die Grenze radelten, um der Mittagshitze zu entgehen. Der größerere Teil der Gruppe fuhr auf der österreichischen Seite noch ein Stück den Inn bzw. die Salzach entlang bis zur Grenzstadt Burghausen. Von dort gings weiter nach Dorfen bei Burgkirchen, wo uns die Familie Hochleitner eingeladen hatte. Sie bewirtschaften einen Biohof mit Kühen und Schweinen.

Hubert Hochleitner, selbst Mitglied bei der Aktionsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, hatte einige seiner KollegInnen eingeladen, und so wurde dann noch stundenlang debattiert und Erfahrungen ausgetauscht. Wem nützen die Direktzahlungen für landwirtschafltiche Betriebe am meisten? Was würde passieren wenn man die Direktzahlungen komplett außer Kraft setzen würden? Die Förderhöhe nicht nach Fläche sondenr nach Arbeitsaufwand bemessen? Inhaltlich war dieser Abend sicher einer der lehrreichsten!

Eine Hofführung gabs natürlich auch noch, mitsamt Ausflug auf die Weide. Besonders auffallend hierbei war, dass alle Tiere, selbst die sonst so vorsichtigen Kälber, sehr zugänglich waren. Die Hochleitners meinten dazu, dass sie halt selbst sehr viel Kontakt mit den Tieren haben und diese daher daran gewöhnt sind.

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21.8. Infostand und Freiluftkino

„Jo wos is denn do heit los?“, fragten sich die KundInnen des Schaberlhofs, als sie heute wie jeden Dienstag ihre vorbestellten Biobrote und Milchprodukte abholen kamen. Neben dem Bauernladen hatten wir schon am Nachmittag unseren Good Food March Infostand aufgebaut. Da viele selbst mit dem Rad ankamen, war gleich für Gesprächsstoff gesorgt und wir erhielten viel Anerkennung für unser Vorhaben, bis nach München zu radeln. Die meisten KundInnen nahmen sich neben ihrem üblichen Einkauf Zeit für längere Diskussionen. Die Inhalte reichten  von  Fragen zur Biofischzucht bis über Prognosen zur nächsten Nationalratswahl. Auch die Fotoaktion fand rege Beteiligung, und so sammelten wir weiter fleißig Wünsche und Forderungen zur Zukunft der europäischen Landwirtschaft.

Zu Beginn der Dämmerung ging dann unsere Filmvorführung über die Bühne. Beim Stadl hatten wir Leinwand und Beamer aufgebaut. Neben den Kundschaften des Bauernladens hatten wir auch die BäuerInnen in der Umgebung eingeladen. So fanden sich letztendlich ca. 60 Personen am Schaberlhof ein, darunter auch viele junge Menschen.

Die Kulisse wird uns wohl noch länger in Erinnerung bleiben: Auf der Leinwand im Stadl ein Film über CSA-Projekte, über uns ein klarer Sternenhimmel mit herumsausenden Fledermäusen und direkt  rund um uns eine Weide, wo sich die Biokühe der Familie Ortner gerade muhend auf den Weg in den Stall machten. Mehr Impressionen von Landwirtschaft auf einen Haufen geht wohl nicht 😉 (und dass die Leinwand nicht nur Leute sondern auch unzählige Gelsen angelockt hatte, brauchen wir uns ja auch nicht unbedingt merken…)

Die anschließenden Diskussionen am Lagerfeuer zogen sich bis spät in die Nacht hinein, einige BesucherInnen fühlten sich durch den Film noch motiviert, an der Fotoaktion teilzunehmen und ihre Botschaft nach Brüssel zu schicken . Die entstanden Fotos gibt’s hier zu sehen.

Ein äußerst gelungener Abschluss der Österreich-Strecke, ab morgen gehts durch Bayern!

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21.8. Ranshofen (Braunau)

Am letzten Tag in Österreich gönnten wir unseren Rädern ein Pause und blieben in Ranshofen bei Braunau. Untätig waren wir aber trotzdem nicht, stand doch eine Tour in der Region, ein Infostand beim Bauernladen und eine Filmvorführung am Tagesprogramm:

Nach einer stürmischen Gewitternacht und einem strategisch ungünstig gewählten Zeltplatz direkt neben einem Stall mit krähendem Hahn waren am Frühstückstisch doch noch einige zerknautschte Gesichter zu sehen. Doch das frischgemachte Brot vom Hof und ein Sprung in den angrenzenden Schwimmteich machten die fehlenden Stunden Schlaf schnell vergessen. Am Vormittag erhielten wir dann noch eine Führung am Schaberlhof in Ranshofen, wo wir uns von den Biokühen die Hände abschlecken lassen konnten und der Bäuerin in der Brotbackstube über die Schulter schauen durften.

Am Nachmittag machten wir uns mit den Rädern auf in die unmittelbare Umgebung, um unsere abendliche Filmvorführung zu bewerben. Neben den Bauernhöfen in der Nachbarschaft besuchten wir auch den Weltladen und den Naturkostladen in Braunau. Beide Geschäfte unterstützen unsere Tour mit Lebensmittelspenden, vielen Dank!

Immer wieder kehrende Themen  bei unseren spontanen Hofbesuchen sind das Bauernsterben und das oft schwierige Übergeben an die nächste Generation. Hier die spontane Meinung eines Bauern:

„Nur jammern bringt aber auch nichts. Förderungen sind immer an Auflagen gekoppelt. Nur die Auflagen sollten die Zukunft der Betriebe sichern und sie nicht in die Schuldenfalle zwingen. Wenn eine Generation nicht investiert fällt das der nächsten Generation auf den Kopf. Allerdings wollen die Eltern auch nicht einen Berg an Schulden übergeben.  Förderungen bedeuten viel bürokratischen Aufwand, aber sind für manche Bauern die bestbezahlten Arbeitsstunden.“

Ein Bericht zu unserem Infostand und der Filmvorführung „Frische Wege“ folgt in Kürze!

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